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Isle of Rum



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Lage, Erreichbarkeit

Vorab: Rum bestätigt eine für Schottland oft zutreffende Regel. Je schwieriger zu erreichen, desto schöner und eindrucksvoller. Rum ist das richtige Ziel für diejenigen, die Natur und Ruhe suchen, sich selbst genug sind, sich von Unbill des Wetters und den Mücken nicht abschrecken lassen, keine Parklandschaft, sondern schroffe, ursprüngliche (viel) Gegend suchen ... also eigentlich für alle, die sowieso nach Schottland fahren.

Die Insel Rum liegt an der schottischen Westküste. Sie ist die größte der als "Small Isles" bekannten Inselgruppe (die anderen: Canna, Eigg, Muck). Die großen Nachbarn, im Norden Skye und im Süden Mull, sind wesentlich bekannter.
 
Rum (die zuweilen anzutreffende Schreibweise Rhum gilt als nicht original) wird regelmäßig nach feststehendem Fahrplan von der Calmac-Personenfähre versorgt. Ein ausfüllender Tagesausflug läßt sich damit jedoch nicht arrangieren. Wegen der langen Fahrzeit ist nur ein 2stündiger Landgang möglich. Etwas länger wird der Aufenthalt während der Sommersaison mit dem Touristenboot von Arisaig aus. Um der Insel gerecht zu werden, ist jedoch unbedingt zu empfehlen, mindestens 2 Übernachtungen einzuplanen.

Die passende Musik dazu: The Road to the Isles
(courtesy: bagpipesatbest.com)

 

Rum viewed from Mallaig
Fährhafen Mallaig mit abendlichem Blick auf Rum
Rum viewed from Eigg
Die Grate der Rum Cuillins gesehen von Eigg

Ortscharakter, Attraktionen

Rum ist vulkanischen Ursprungs. Der Norden besteht noch aus vor-vulkanischem rotem Sandstein, der felsige Süden mit der schroffen Gipfelkette der Cuillins ist der Kern des erloschenen Vulkans. Hier gibt es verschiedene Gesteinsarten, u.a. Granit mit sichtbaren Lagen von Magnesium und Mangan. Während der Eiszeit war die Insel vollständig von Gletschern bedeckt. Die Eisbewegungen gaben der Insel ihre heutigen Landschaftsformen. 
 
Bewohnt ist die Insel seit Urzeiten, die ersten Spuren sind über 8000 Jahre alt. Viele Ortsnamen gehen auf die Wikinger zurück. Im 18. Jahrhundert lebten 400 crofting people (Farmer auf Pachtgrund) auf der Insel. Heute gibt es rund 30 dauerhaft Residente, und jede neu zuziehende Familie wird gebührend begrüßt, wie auf der im Internet publizierten Inselzeitung Westword nachzulesen ist.
 
Neben der Landschaft ist die Tierwelt ein Erlebnis. Im Frühsommer brüten 100.000 Manx Shearwater-Paare auf den Berghängen. Auch alle Klippen-Brüter sind, in gemäßigterer Zahl, vertreten. Der zwischenzeitlich ausgestorbene Seeadler wurde erfolgreich wieder angesiedelt, und auch 4 Paare des Golden Eagle sind hier zu Hause. Seit 1957 gehört Rum dem Scottish National Heritage, seitdem gilt die Insel als National Nature Reserve, seit 1977 auch als Biosphären-Reservat der UNESCO. Die Fauna ist nicht weniger bemerkenswert, allerdings nicht mein Spezialinteresse. Um z.B. die 400 verschiedenen Moos-Arten zu registrieren, ist schon eine gewisse Detailverliebtheit vonnöten. 


Red Deer - 
keine seltene Begegnung auf Rum


Golden Plover - 
brütet u.a. auf dem Barkival

Sehenswert ist in jedem Falle auch Kinloch Castle, das vom langjährigen Inselbesitzer, Sir George Bullough, als überdimensionaler Jagdsitz erst zu Beginn es 20. Jahrhunderts gebaut wurde. Das Schloß wurde bis Mitte der Neunziger Jahre als Luxushotel geführt, leider ist es heute in überwiegend schlechtem Zustand. Es gibt noch eine Reihe möblierter Räumlichkeiten (edwardianstyle), die mit einer Führung besichtigt werden können.
 

The Mausoleum, Rum
Einsame letzte Ruhestätte der Familie Bullough 
im Westen der Insel

Harris with Cuillins, Rum
Die Bucht von Harris mit der Bergkette der Cuillins
im Hintergrund

Wanderungen

Warnung: Jetzt komme ich ins Schwärmen. Wenn ich aus all meinen Bergwanderungen in UK die 5 besten zu wählen hätte - das fiele mir unendlich schwer -, die Tour über die Grate der Rum Cuillins wäre in jedem Fall dabei. Müßig zu erwähnen, dass dies kein Spaziergang ist. Oft weglos, leichte Kletterstellen, steile Abgründe z.T. etwas ausgesetzt, sehr einsam, bei schlechter Sicht Wegfindung extrem schwierig. Also genau das Richtige für ausdauernde, sichere, schwindelfreie Geher. Der schwierigste Teil ist der Abstieg vom Hallival Richtung Askival, wo man schon mal die Hände zu Hilfe nehmen muß, um sich von Fels zu Fels zu hangeln. Hier die Wegbeschreibung aus dem empfehlenswerten Taschenbuch von Ralph Storer, 100 best routes on scottish mountains.
 
Es gibt aber auch genug Auswahl an einfacheren, lohnenswerten Routen. Empfehlenswert ist der Track zur Harris-Bay an die Westküste der Insel, von dort kann man weglos über die Hügel nach Süden auf den Orval und entweder im Tal über den Ponytrack oder auch über die Höhen zurück nach Kinloch. Auch das ist eine Tagestour (beliebig abkürzbar). Teile der Insel sind für die Forschung an der Red Deer Bevölkerung gesperrt, aber es gibt mehr als genug Auslauf für Menschen.

The Cuillins from the North, Rum
Alle Gipfel der Cuillin-Kette -
bei guten Bedingungen eine 12-Stunden-Tour
(v.l.n.r.: Hallival - Askival - Trollaval - Ainshival - Gillean)
 

Askival and Halival, Rum Cuillins
Das schwierigste ist geschafft:
Vom Ainshival Blick zurück auf Hallival (links) und Askival
Isle of Muck, viewed from Rum
Der unspektakuläre letzte Berg entschädigt mit umso schöneren Ausblicken: Isle of Eigg, gesehen von Gillean
View back on Askival and Halival, Rum Cuillins
Blick zurück von Gillean, dem letzten Gipfel, 
auf  Ainshival, Hallival und Askival


Unterkunft

Von großer Auswahl kann hier nicht die Rede sein. Zur Verfügung stehen: Jugendherbergsräume (hostel) im Kinloch Castle, hier werden auch einige wenige Doppelzimmer (ungeheizt, ohne jeden Service, Etagendusche, Adiletten sehr zu empfehlen) angeboten. Außerdem gibt es einen rustikalen Zeltplatz. Frühstück und Abendessen wird im Hostel offeriert, zu sehr eingeschränkten Zeiten, wer zu spät kommt hungert.
 
Dringend anzuraten ist für jede Unterkunftsart rechtzeitige Reservierung (0044-1687-462026). Wir haben 3 Monate im voraus gebucht, und mußten doch um 1 Woche verschieben, da die Wunschzeit schon ausgebucht war.
 
Im Dorf, wenn man die wenigen Häuser so nennen kann, gibt es einen kleinen Shop mit einer Grundausstattung an Lebensmitteln. Kürzlich hat sich auch eine norwegische Handarbeiterin niedergelassen, die sehr schöne Wollmützen, Schals und Jewelry anbietet: craftshop von Ragnhild Rostrup.
 
Empfehlenswerte website: Road-to-the-Isles 


Kinloch Castle: roter Sandstein von der Isle of Arran. 
Blick aus dem Zimmerfenster, von dem aus man 
abends die Fledermäuse beobachten kann


die Insel-Infrastruktur auf einen Blick:
Shop mit post office und Telefonzelle
 


Literatur

Rum: Nature's Island  
Magnus Magnusson, Iain Sarjeant (Illustrator), Martin Howells (Illustrator)

Paperback - 148 pages (3 November, 1997), Luath Press

Amazon UK

Rum: Island of Deer  
John A. Love

Hardcover - 317 pages (July 2001)
Birlinn Limited

Amazon UK
(bei Amazon DE als gebundene Ausgabe deutlich teurer)

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 Uli Sauer, Witten